JERORA KANN BEZOGEN WERDEN

Eine Schule für Orangutans? Ja, sie haben sich nicht verlesen. Orangutans sind sehr intelligent, und tatsächlich die intelligentesten unter den Primaten. Aber wie auch wir Menschen müssen sie die Überlebensregeln und Strategien erst erlernen.

Alle unsere jungen Orangutans in Sintang kamen zu uns als Waisen, was bedeutet, dass sie nicht nur ihre Mütter verloren hatten, sondern auch ihre Lehrer. Während wir die Babies gemeinsam unterbringen, lernen sie so auch voneinander, welche Früchte sie fressen können oder auch, welche Blätter sie für den Nestbau verwenden werden. Aber da ist natürlich noch viel mehr: in der Natur lernen sie auch von ihren Müttern, welche Früchte oder Blätter als Medizin verwendet werden, wenn ihnen mal ihr Bauch weh tut beispielsweise, oder auch, dass sie Ton oder Kohle fressen können, wenn sie starke Schmerzen haben.

Aber all diese Dinge sind noch nicht das Wichtigste. Klettern steht an erster Stelle. Klettern? Ja - denn auch das müssen sie erst erlernen, das ist nicht instinktiv vorhanden. Nachdem sie in ihren ersten rd. neun Lebensjahren nur mit den Müttern zusammen auf deren Rücken verbringen, können sie das nicht von Natur aus. Orangutans sind die schwersten auf Bäumen lebende Säugetiere der Welt. Sie sind sehr effizient, wenn es um Kraftanstrengung geht. Aber das funktioniert nur, wenn sie wissen, wohin sie am besten klettern sollen und wie sie von A nach B kommen. 

Und wenn sie dann von unseren Käfigen, wo es Seile gibt und Hängematten, die alle nicht brechen können,  in den Wald kommen, wo Äste sehr wohl einmal abbrechen können, dann ist auch dies etwas, das sie erst erfahren müssen.

So - ein weiterer Punkt, der erlernt werden muss - das Abschätzen der Baumkronen und deren Äste.

All das kann, ohne Erfahrung und Übung auch zum Tod führen. Deshalb müssen unsere Pfleger Schritt für Schritt vorgehen und genau kontrollieren, welche von den Babies "reif" dazu sind, in den Wald zu kommen.

 

Lassen sie mich von dieser besonderen Schule erzählen, wo es dieselben Bäume gibt, die sie auch im Dschungel vorfinden werden.

Jerora ist der Name einer Landfläche, ca. 5km südöstlich von Sintang entfernt. Im Bild unten kann man illegale Goldminen und viele Palmölplantagen erkennen. Die Flüsse transportieren Schlamm, Kupfer, hochgiftige Pflanzenschutzmittel und Rattengift... diese Region würde auch ein wenig an Umweltbildung brauchen...

Die weißen Flecken bei dem grünen Stern, der die letzten echten Urwälder zeigt, sind Sandflächen, weil dort, wo nach Gold geschürft wurde, nichts mehr wächst. 

... und warum errichten wir gerade hier eine Schule für die Orangutans? Lassen sie mich weitererzählen.

Die Klinik für die Orangutans ist dort, wo der obere grüne Stern (SOC) zu sehen ist. Die erste Schule, die wir bauten, ist in Tembak. Aber bei Schlechtwetter kann die Fahrt dorthin bis zu acht Stunden dauern und es gibt keinen Telefonempfang dort. Wenn etwas passieren sollte, dann haben wir dort medizinische Ausrüstung, aber nicht dieselbe wie in Sintang.  Jerora liegt strategisch wesentlich besser, auch weil die Orangutans im Nationalpark im Norden freigelassen werden und nicht südlich nahe von Tembak. Die Erhaltungskosten der Schule, die näher bei Sintang liegt, sind wesentlich niedriger, und nachdem wir immer wieder neue Tiere bekommen, und manche davon nicht mehr freigelassen werden können, müssen wir sehr effizient mit unseren Ressourcen umgehen.

In Jerora steht auch Land zur Verfügung, das wir mit biologischem Futter bebauen können, das ihrer Gesundheit hilft und die Kosten niedrig hält. (wir müssen Futter immer wieder zukaufen)

Und wie kam es, dass wir diese 5ha Land bekamen? Vor ca. 27 Jahren hatte Father Jaques, ein Missionar, der seit 50 Jahren hier mit den Dayaks lebt, eine Diskussion mit jungen Dayaks, die hier in Jerora Regenwald roden wollten, um Kautschukpalmen anzubauen. Dieser Wald wurde zu dieser Zeit nur benutzt, um Grabstätten für die Angehörigen anzulegen. Nach dieser Diskussion verließ Father Jaques die Szene ziemlich wütend.

Am nächsten Tag in der Früh standen die Stammesführer mit einem Zettel vor seiner Tür, alle hatten unterschrieben - sie wollten damit bestätigen, dass auch sie Jerora erhalten wollen und keine Rodung dulden würden. Und sie übergaben diesen Wald mit diesem Schreiben an Father Jaques, der sich fortan darum kümmern sollte. 

Und dies war der Grundstein für die Jerora Orangutanschule.

Alles dies wäre jedoch nicht möglich ohne die Hilfe von vielen Menschen aus der ganzen Welt. Orangutan Rescue aus den Niederlanden war unser Hauptsponsor und wir konnten unserem Personal auch Gehalt zahlen, das Futter bereitstellen und die Pfleger. Orangutan Resce bezahlte auch einen Großteil der Straße, die nötig war, um nach Jerora zu gelangen, was nicht vorhersehbar war, nötig zu sein. Andere Unterstützer wie Mark White aus Australien oder Orang Utan Luxemburg, Masarang Hongkong, trugen wesentlich zur Entstehung dieses Projektes bei.

Am 22. Oktober fand schließlich ein "offizielles" Treffen mit den Leitern von Sintang und dem sog. Bupati, dem Präsidenten einer autonomen Region hier statt. Der Präsident wird Sintang dabei unterstützen, eine neue Illipe-Nuss-Fabrik zu errichten, unweit von Jerora entfernt und nicht nur das, sondern auch gewährleisten, dass das Land und der Wald hier für immer geschützt bleiben wird. Keine Rodung, keine Waldbrände werden hier mehr passieren, so haben wir eine "Pufferzone" rund um unsere Waldschule.

Das meeting mit dem Präsidenten, Dr. Djarot, rechts im Bild sitzend mit Father Jaques. Alle wichtigen Regierungsmitglieder waren anwesend um mit Dudung (Mitte, mit schwarzem TShirt) die offizielle Unterstützung zu bestätigen.

Nach unserem Meeting fuhren wir den kurzen Weg nach Jerora. Der Bupati unterschrieb die Zertifikate und wir durchschnitten nun offiziell das Band. Nach einigen Reden, die gehalten wurden, meinte Father Jaques, dass auch er hier im Wald begraben werden möchte eines Tages, und an seinem Grab möge ein Mangobaum gepflanzt werden, damit die Kinder und die Orangutans von diesem Baum Früchte ernten können und sollte jemals jemand kommen, und diesen Wald stören, dann würde er zurückkommen und diese Menschen vertreiben. Trotzdem er seinen Platz bereits gewählt hatte, hoffen wir natürlich, dass er noch lange bei uns bleibt. 

Ich wollte dann in einer kurzen Rede darauf aufmerksam machen, dass es auf Dauer nicht hilft, nur die Symptome zu behandeln (wie z.B. die Orangutanbabies aufzupäppeln), sondern es nachhaltige Lösungen geben muss. Beispielsweise den Eingeborenen hier bessere Einkünfte zu bescheren aus der Illipenuss-Ernte, anstatt den Verkauf von Tropenholz zu fördern.

Nach einem einfachen Mittagessen wurde dann vor der Klinik eine Gedenktafel für das Liez Center enthüllt von Marco van der Aa, der aus den Niederlanden hier her gekommen war. Er sprach über seine Freundin Liesbeth, die viel zur früh verstorben war, und wir ihr zu Ehren dieses Center nach ihr benannt hatten. Er übergab uns einen Scheck über 5.000,- Euro, die für Liesje, das Baby von Mamat, verwendet werden sollen.

Danach machten wir eine kleine Exkursion, um die hohen elektrischen Zäune und die Käfige zu besichtigen.

Die ersten sechs (!!) Orangutans wurden bereits hier hergebracht, um ihre ersten Erfahrungen mit dem Zaun zu machen.

Im Bild seht ihr im Hintergrund Victoria, die gerade versucht, den Banner vom Käfig zu entfernen :-))

Es gäbe noch vieles mehr zu berichten, aber es werden auch bald wieder updates über die Tiere kommen, die die Waldschule hier besuchen.

Willie Smits,

Sintang, November 2018

Den Originaltext in Englisch können sie hier abrufen: http://masarang.hk/2018/10/29/the-jerora-orangutan-jungle-school/

JERORA eine neue waldSchule entsteht

In Sintang wird momentan an einer zweiten Waldschule für die Orang Utans gearbeitet. Entlang des elektrischen Zauns wurde der Wald ein wenig gerodet. Das ist notwendig, damit die Orang Utans durch einen geschützten Bereich in die Schule kommen. Der elektrische Zaun ist nicht nur dazu da, die Orang Utans daran zu hindern, weg zu laufen, sondern verhindert auch unerwünschte "Besuche" im Bereich der Schule. Die Verkabelung kam aus Java, um bessere Qualität sicher zu stellen.

Die Straßen müssen noch betoniert werden, da der Boden hier sehr weich ist, und beim nächsten Regen wären diese sofort wieder kaputt und unpassierbar.

BAUARBEITEN IN JERORA GEHEN WEITER

An manchen Stellen auf der Straße nach Jerora musste der Boden verfestigt werden, damit das Material geliefert werden kann. Es wurde altes Holz und viel Geröll dafür verwendet, den Boden zu verfestigen. Schließlich konnten Holz, Fliesen, Betonsäcke, Gestein und der elektrische Zaun geliefert werden. Und natürlich auch die Rohre für eine Jauchegrube nahe den Nachtquartieren.

Die Fliesen werden auf dem Boden verlegt, weil man sie wesentlich besser reinigen kann als den bloßen Wald- oder Holzböden. Die Nachtquartiere sind in etwa 3m mal 6m, und 3m hoch.

Die Klinik und die Aufenthaltsräume machen Fortschritte. Das Holz wurde geliefert für die Wände und die Fenster und Türen.

Sauberes Wasser zu finden war erst nach der zweiten Bohrung möglich. Wir mussten 60m tief an zwei verschiedenen Stellen bohren, waren aber schließlich erfolgreich.

Für den Zaun in Jerora wurden bis Mitte August mehr als 4.500 Isolierbolzen in die Holzpfosten eingeschraubt. Dort werden dann die Aluminium Kabel fixiert. All diese Arbeiten werden von den Pflegern durchgeführt.

Bevor der Aluminiumzaun montiert wird, müssen tote Äste und Bäume entlang des Zauns entfernt werden. Daraus wird dann biologischer Dünger produziert.

 

DACHGLEICHE!

Das erste Nächtigungsgebäude für die Orang Utans mit zwei Räumen wurde Anfang Juli fertiggestellt. 

In der zweiten Juliwoche wurde auch der Eingang für die Pfleger fertiggestellt

®Copyright alle Bilder: Sintang Orangutan Center 

Text: Sintang Orangutan Center, frei übersetzt

hand in hand: die menschen rund um den park...

Die lokale Bevölkerung war immer von deren Wald abhängig. Ob es der Jagd nach Schweinen oder des Rattan wegen war. Deshalb hat das SOC ein Programm mit den Einwohnern gestartet, damit sie eine alternative Einnahmequelle haben und nicht mehr im Wald jagen müssen. Die Zuckerpalmen liefern hier die perfekte und nachhaltige Lösung. Zuckerpalmen sind Bestandteil des Regenwaldes und es wird der sogenannte Palmzucker gewonnen. Dieser Zucker wird mittlerweile in die ganze Welt geliefert. Die Dörfer rund um den Park erhalten Setzlinge dieser Palmen, die sehr rasch wachsen, können dann Zucker gewinnen und diesen verkaufen.

Die Bewohner rund um den Nationalpark werden informiert über das, was das SOC hier tut. Sie müssen verstehen, warum es wichtig ist, die Orang Utans zu schützen und warum dieser Aufwand betrieben wird. Sie werden auch informiert, was sie tun müssen, wenn ein Orang Utan sich ihren Dörfern nähert, um eventuelle Konflikte zu vermeiden. 

Content und Bilder zur Verfügung gestellt vom Sintang Orang Utan Center

www.soc.or.id

®Sintang Orang Utan Center