Digo, Tanjung und Liesje - ihre ganz grosse reise

Heute ist es soweit für Digo, Tanjung und ihr Baby Liesje. Eine lange Reise in den Betung Kerihun Nationalpark beginnt.  Aber ihr Weg begann bereits bei ihrer Ankunft in Sintang. Digo wurde vom BKSDA im Mai 2013 von einer Familie in Pontianak konfisziert als sie nur fünf Monate jung war. 18 Monate Quarantäne, Rehabilitation und Sozialisierung folgten. Seit Dezember 2015 war sie in der Schule in Tembak, wo sie verschiedenste Fertigkeiten lernen musste, um in der Freiheit überleben zu können. 

Putri Tanjung war wesentlich älter als Digo, als sie gerettet wurde im Jänner 2014. Neun Jahre war sie und sie kam aus der Provinz Melawi in West Kalimantan. Sie verbrachte fast ihr ganzes Leben bis dahin in einem Käfig, nicht größer als 1,5m breit, hoch und tief. Das führte dazu, dass sie sich kaum bewegen konnte, und schon gar nicht wusste, wie man auf einen Baum klettert.

Eine lange Zeit Rehabilitation folgte und im September 2015 war sie dann soweit, dass sie in Tembak in der Waldschule ankommen durfte. Orangutans, die bei Menschen aufwachsen, haben keinerlei Fähigkeiten, in der Wildnis zu überleben, weil sie in der Natur alles Wissen von ihrer Mutter lernen. Deshalb müssen sie lernen, wieder wie wilde Tiere zu leben.

Während der Rehabilitationsphase musste einer der Pfleger feststellen, dass Tanjung sich mit Mamat gepaart hatte, was umso erstaunlicher war, weil Mamat in einem noch viel schlimmeren Zustand nach Sintang kam, und nicht einmal seine Arme bewegen konnte. 

Offensichtlich und glücklicherweise geht es aber auch mit Mamat bergauf. Er kann jedoch nicht in die Freiheit entlassen werden, weil er wichtige Dinge einfach nie beherrschen wird. Er sieht sehr schlecht, klettert nicht hoch genug in die Baumkronen und kann deshalb keine Nester bauen.

 

Am 8. April 2018 wurde also Liesje geboren, die Tochter von Tanjung und Mamat. Der Name wurde ihr im Gedenken an Liesbeth van der Burgt gegeben, eine Holländerin, die als Voluntärin Spenden für Jerora gesammelt hatte. Liez, wie sie von ihren Freunden genannt wurde, verstarb leider viel zu früh.

 

Tanjung und ihr Baby Liesje, ®Sintang Orangutancenter
Tanjung und ihr Baby Liesje, ®Sintang Orangutancenter

Tanjung lernte wie ein wilder Orangutan zu leben, während sie ihr Baby aufzog und sie bewies, dass sie eine gute Mutter ist. Wo immer sie hinging, ihr Baby hing fest an ihr, sie badete die Kleine, und wenn Liesje weinte, dann nahm sie sie auf ihren Rücken. Wenn es regnet, bedeckt sie den Kopf des Babys mit einem großen Blatt. Tanjung zeigte der Kleinen eine Menge fressbares Futter, ganz so, wie es in der Wildnis passiert. Dort leben die Kinder sechs bis acht Jahre mit ihren Müttern, bevor sie unabhängig leben können. 

Während Mamat in Sintang oder Tembak bleiben wird müssen, kann nun seine Tochter in die Wildnis entlassen werden.

Mamat, der Papa, ®Sintang Orangutancenter
Mamat, der Papa, ®Sintang Orangutancenter

Digo, Tanjung und Liesje stehen nun erneut am Anfang eines neues Lebensabschnitts nach Tembak. Sie werden 400km von Sintang nach Putussibau, West Kalimantan, reisen. Am 31. Oktober 2019 werden sie im Betung Kerihun Nationalpark frei gelassen.

Das ist ein großes Ereignis, denn es sind acht Mitglieder von Orangutan Rescue, Holland, und acht Personen von Weesaapjes diesmal dabei.

Das ist mittlerweile die fünfte Auswilderungsaktion bis heute, die vom SOC durchgeführt wird. 

Vor ein paar Monaten wurden Gagas und Oscar in der selben Gegend freigelassen, und haben sich sofort auf den Weg tief in den Dschungel gemacht. 

Es ist für alle Tiere eine große Herausforderung, die sie meistern müssen. Aber schließlich sind sie nun in der Freiheit, und sie werden vom Team aus Sintang regelmäßig besucht, und es wird auch kontrolliert, ob sie wirklich überlebensfähig sind.

Photos und Text: aus dem Newsletter von Sintang Orangutancenter